Uferschnepfe

Flaggschiff für den Vogelschutz

Aus wirtschaftlicher Perspektive ist eine Feuchtwiese nicht besonders wertvoll. Denn da sie durch intensive Nutzung mit Traktoren und großen Viehherden schnell matschig wird,  ist sie höchstens für extensive Weidewirtschaft zu nutzen. Die landschaftliche und klimatische Entwicklung der letzten Jahrzehnte war deshalb für Landwirte in der Region vorteilhaft, denn sinkende Grundwasserstände, Entwässerungsmaßnahmen sowie der Klimawandel haben die landwirtschaftlich nutzbare Fläche deutlich vergrößert. Aus Watvogelperspektive fällt die Bewertung einer Feuchtwiese jedoch völlig anders aus.

Die ursprüngliche niederrheinische Auenlandschaft war für Vögel wie die Uferschnepfe nämlich ideal. Mit ihren langen, druckempfindlichen Schnäbeln sind Uferschnepfen darauf spezialisiert, ihre Lieblingsnahrung wie Würmer oder Insekten und deren Larven aus weichem, feuchten Boden zu picken. Ihre Jungen wiederum gehen als Nestflüchter gleich selbst auf Nahrungssuche und suchen vor allem Insekten in den blütenreichen Wiesen. Leider hat sich der Bestand der Uferschnepfe drastisch verringert, im Vergleich zu vor 50 Jahren hier am Niederrhein fast um drei Viertel, eben weil sie dort, wo sich Landwirtschaft und Industrie breit machen, immer weniger geeignete Lebensräume findet. In trockenen, harten Böden kann man nicht nach Nahrung stochern, ein Acker taugt für die Uferschnepfe kaum zum Brüten, und auf einer intensiv bewirtschafteten Weide oder Wiese werden viele Gelege vom Vieh zertrampelt oder geraten in das Mähwerk. In vielen Gebieten am Niederrhein sieht man nur noch einzelne Brutpaare, mancherorts sind die Tiere bereits ganz verschwunden.

Dort kann man nicht mehr beobachten, wie sie ab März aus ihren Winterquartieren in Afrika zurückkehren. Dabei ist es wirklich spektakulär, wenn die Männchen mit imposanten Balzflügen ihr Territorium verteidigen und ihren charakteristischen Ruf ertönen lassen, der ihnen im Niederländischen den Namen "Grutto" eingetragen hat. Man kann dort auch nicht mehr miterleben, wie Weibchen und Männchen sich bei der Brut und Aufzucht der Jungen die Arbeit teilen und sich mit anderen Paaren solidarisch zeigen. Fressfeinde wie Greifvögel oder Füchse werden nämlich bei Uferschnepfen von Gruppen von Altvögeln mit lauten Rufen und aggressiven Flugmanövern zu vertreiben versucht. Auch deshalb ist dort, wo nur noch einzelne Brutpaare brüten, die Überlebenschance für die Jungen gering. In den Schutzgebieten setzen sich Naturschützer deshalb für den Erhalt der Lebensräume ein, zum Beispiel durch das Anlegen von kleinen Tümpeln, den Stopp weiterer Entwässerungsmaßnahmen und das Verbot einer frühen Mahd. Auch konventionelle Wiesen- und Weideflächen können für die Brutzeit stillgelegt werden, wenn dort brütende Uferschnepfen gesichtet werden. Der Landwirt erhält in dem Fall eine Entschädigungszahlung. Natürlich ist es aber schwierig, das gesamte Gebiet nach brütenden Schnepfen abzusuchen. Deshalb sind wir weiterhin dazu aufgerufen, uns für spezielle Bewirtschaftungsauflagen in den Vogelschutzgebieten stark zu machen, damit die Uferschnepfe auf der Roten Liste der bedrohten Arten nicht eines Tages als "erloschen" gelten muss.

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