Vielflieger, die Meilen sammeln

Trauerseeschwalben auf dem Bienener Altrhein

Es ist ein großes Kompliment, das die Trauerseeschwalben dem Bienener Altrhein machen. Von April bis August kann man in seinem Wasser quadratische Flöße entdecken. Auf denen haben dann die Vögel hoffentlich ihre Nester gebaut, um ihre Brut großzuziehen. Es sind die einzigen Trauerseeschwalben in Nordrhein-Westfalen. Die guten Lebensbedingungen hier ziehen sie zur Fortpflanzung aus ihren afrikanischen Winterlebensräumen an. Manche kommen sogar aus dem fast 8000 km entfernten Namibia! Ohne die Unterstützung durch die Mitarbeiter des Naturschutzzentrums wären diese faszinierenden Langstreckenflieger hier nicht mehr zu beobachten. Die Art hat einige bemerkenswerte Anpassungen entwickelt, die ihr mit der Veränderung der Lebensräume heutzutage zum Problem werden.

Ihre Nester baut sie im Wasser, wo sie vor Freßfeinden geschützt ist. Dazu werden sie an umgeknickten Röhrichthalmen oder Wasserpflanzen verankert – etwa an der Krebsschere. Geeignete Röhrichte werden aber immer seltener, und auch die Krebsschere geht aufgrund der Belastung der Gewässer mit Schadstoffen zurück. Damit bieten sich den Trauerseeschwalben immer weniger Nistmöglichkeiten. Deshalb werden in mühevoller Arbeit jedes Jahr die einladenen Brutflöße ausgebracht und nachdem die Sommerfrischler wieder abgezogen sind, wieder eingesammelt. Ansonsten könnten sie bei Winterhochwässern fortgerissen werden. Für insgesamt etwa 40 Brutpaare ist das ein ziemlicher Aufwand. Aber da sich unsere afrikanischen Gäste die Mühe machen, zur Jungenaufzucht gerade in unsere Gegend zu ziehen, sollten wir ihnen diesen Gefallen schon tun. Interessanterweise führen die Trauerseeschwalben eine Art Doppelleben. Zunächst reisen sie unter falschem Namen ein, denn es sind eigentlich keine Schwalben. Sie gehören eher zu den Möwen, denen sie auch ähneln. Hier im Brutrevier sind sie an die Süßwasserlebensräume angepasst. Libellen stehen bevorzugt auf ihrem Speiseplan. Zurück in Afrika haben sie einen ganz anderen Lebensstil. Dort leben sie an den Küsten und von dem, was das Salzwasser so bietet! 

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