Schwalben

Rasante Jagdflieger und begabte Architekten - die Schwalben

Schwalben bringen Glück. Dabei ist des Einen Freud des Anderen Leid. Auf insektengeplagten Bauernhöfen ist es schon Glück, dass Schwalbeneltern ihrem Nachwuchs bis zu 3000 fliegende Insekten in den gierigen Schnabel stopfen müssen, bis er flügge ist. Stechende und beißende Quälgeister wie Mücken oder Bremsen dürften das natürlich anders sehen. Der Hunger der nächsten Schwalbengeneration machte das Leben auf den Bauernhöfen also zumindest für Mensch und Vieh angenehmer. Auch Schwalben halten sich gerne dort auf, denn viel Vieh bedeutet auch viel schwirrende Nahrung.

Bei ihren Beuteflügen überschreiten Schwalben problemlos die zulässige Höchstgeschwindigkeit in Ortschaften. Eine winzig kleine Mücke können sie trotzdem erkennen, da ihre Augen dreimal mehr Bilder pro Sekunde verarbeiten als die des Menschen. Das Insekt zieht dadurch wie in Zeitlupe an der Schwalbe vorbei und kann mit waghalsigen Flugkunststücken geschnappt werden. Scharfe Schwalbenaugen wären auch von Vorteil, wenn man die beiden bei uns am häufigsten vorkommenden Schwalbenarten unterscheiden will. Bei Mehlschwalben kann man einen schnee- oder eben mehlweißen Bürzelfleck erkennen, wenn sie sich einmal am Nest festkrallen.

Leider bröckelt die alte Allianz zwischen Mensch und Schwalbe aber. Der traditionelle Bauernhof mit den Schwalbennestern im Kuhstall ist weitestgehend der Massentierhaltung in großen Hallen gewichen, in denen sie nur wenige geeignete Brutplätze finden. Durch die Befestigung der Wege verschwinden auch die Lehmpfützen, aus denen sich die Schwalben das Baumaterial für ihr Eigenheim holen. 700 bis 1500 Lehmkügelchen verkleben sie mit ihrem Speichel zu einem Nest. Der Mangel an Baumaterial kann bei dieser Menge für die fliegenden Bauherren schon ein Problem werden. Baut ein vorwitziges Schwalbenpaar dennoch, stechen sie damit in ein Hornissennest sich wiedersprechender EU-Verordungen. Hygienevorschriften fordern die Entfernung der Nester, das höherrangige Naturschutzrecht ihren Erhalt. Bevor ein Landwirt seine Milch aufgrund vermeintlicher Hygienemängel nicht vermarkten kann, muss dann so manches Nest still und heimlich weichen.

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