Der Bitterling

Muscheln als Erotikhilfe

Schauen Sie einmal in das Wasser unter der Brücke. Darin können sie mit etwas Glück gut getarnte Muscheln sehen. Was Sie vermutlich kaum sehen werden, sind mit etwa 6 cm Länge die kleinsten europäischen Karpfenfische - Bitterlinge. Für deren Vorkommen sind die Muscheln aber notwendige Voraussetzung, denn Fischbrut lebt gefährlich. Das ist einer der Gründe, warum die Auengewässer als Kinderstube der Rheinfische so wichtig sind. Hier ist es ruhig, und es gibt in den Flachwassern viele Verstecke. Manchen Fischarten reicht diese Sicherheit aber immer noch nicht aus. Im Lauf der Evolution entwickelten sie erstaunliche Strategien, um ihre Nachkommen noch besser zu schützen.

Der Bitterling fand hier einen besonders aufsehenerregenden Weg. Zur Laichzeit suchen sich die Männchen Fluss- oder Teichmuscheln. In deren Kiemenraum legt dann das Weibchen etwa 2 Eier - insgesamt 100 - in verschiedene Muscheln. Vor deren Atmungsöffnungen entlässt dann das Männchen jeweils sein Sperma, und die Muschel sorgt dann unfreiwillig für die Befruchtung. Nach zwei bis vier Wochen entschwimmen die einen cm großen Jungfische dann ihrem Kinderzimmer. Diese Leihmutterschaft schwächt die Muschel, und die kleinen Zechpreller machen sich auch noch ohne Gegenleistung davon. Allerdings können sich Muschellarven an die Bitterlingsmutter haften, die dann zur Verbreitung der sonst eher gemächlichen Muscheln beiträgt. Was ein spektakulärer Trick der Evolution ist, kann schnell zu einem echten Problem werden, wenn die Zahl der Muscheln zurückgeht. Das passiert schnell, wenn geeignete Gewässer verschwinden oder die Wasserqualität abnimmt. Darauf reagieren Muscheln sehr empfindlich, und ohne sie ist es auch mit den Bitterlingen vorbei.

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