Kiebitz

Gaukler der Lüfte - die Kiebitze

Wer hier im März Vögel beobachtet, die sich in wilden Sturzflugmanövern laut rufend hin und her werfen, der hat das Glück, Kiebitze zu sehen, die aus ihren Winterquartieren hierher zurückgekehrt sind. Mit diesen Balzflügen – man nennt sie auch "gaukeln" -verteidigen die Männchen ihr Revier, bzw. später ihren Nachwuchs vor Greifvögeln. Ihr Flügelschlag erzeugt dabei ein wummerndes Geräusch.

Ihre auffällige, schwarz-weiße Färbung und besonders die Holle, eine lange, zweizipfelige Haube am Hinterkopf machen den Kiebitz unverwechselbar. Außerdem sind Kiebitze vor allem während der Brutzeit sehr stimmfreudig. Ihre charakteristischen Rufe haben ihnen sowohl im Deutschen als auch im Niederländischen ihren Namen eingetragen ("Kiwitt"). In den Niederlanden sorgt der Kiebitz außerdem jedes Jahr für einen kuriosen Brauch: viele Niederländer gehen im Frühjahr in den Wiesen und Weiden auf Eiersuche – allerdings suchen sie keine Ostereier, sondern Kiebitzeier. Wer das erste Ei findet, wird groß gefeiert und darf es dem König übergeben. Schließlich galten Kiebitzeier früher als Delikatesse. Heute sind die Vögel streng geschützt, so musste der Brauch etwas umgestaltet werden. Die heutigen Eiersucher sind durch eine Lizenz ausgewiesene Beschützer der Tiere. Statt Eier zu sammeln, markieren sie die Nester, damit Landwirte sie nicht überfahren, oder sie errichten Schutzzäune, damit die Gelege nicht vom Vieh zertrampelt werden.

Dieses Umdenken ist sehr wichtig, denn die Bestände des Kiebitz sind in Europa in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Das liegt daran, dass ihr natürlicher Lebensraum immer kleiner wird. Als Watvögel brüten die Tiere am liebsten auf Feuchtwiesen, an Gewässerrändern, Weiden oder Sümpfen, denn hier finden sie reichlich Insekten, Würmer, Schnecken oder Larven. Auch ihr nestflüchtender Nachwuchs kann sich hier schon gut selbst versorgen.

Heutzutage gibt es aber immer weniger Feuchtwiesen und extensiv bewirtschaftete Weideflächen. Wie an vielen Stellen ist auch hier in der Region der Grundwasserspiegel in den letzten Jahrzehnten stark gesunken, weil der begradigte Rhein schneller fließt, mehr Kies vom Grund mit sich reißt und sich so immer tiefer in sein Flussbett gräbt. Die trockeneren Wiesen wiederum werden intensiver landwirtschaftlich genutzt, Herbizideinsatz beseitigt blühende Kräuter und damit die als Nahrung dienenden Insekten, und viele Weiden sind ganz verschwunden, weil die Milchkühe im Stall gehalten werden. Besonders bedrohlich für die Bestände ist eine zu frühe Mahd der Wiesen, die die Gelege der Kiebitze zerstört. Dieses Schicksal trifft meist auch die Tiere, die auf Ackerflächen wie Maisfelder ausweichen. Die relativ späte Aussaat des Maises überstehen die meisten Erstgelege nicht, und Zweit- oder Drittgelege sind meist kleiner und weniger erfolgreich. Zum Glück bemüht man sich hier, den natürlichen Lebensraum der Tiere zu erhalten, bzw. durch die Umsetzung von geeigneten Maßnahmen in den Schutzgebieten wieder zu vergrößern, damit wir auch in Zukunft hier die Gaukler der Lüfte beobachten können.

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