Großer Brachvogel

Auf noch nicht verlorenem Posten

Der Große Brachvogel hat eine sehr melodische Stimme. Sein charakteristischer, etwas wehmütiger Ruf ist gut zu erkennen und hat ihm wohl seinen englischen Namen "curlew" eingebracht. Im Deutschen hat man sich an seinem Äußeren orientiert, denn wie alle Brachvögel ist er leicht an seinem langen, spitzen, gekrümmten Schnabel zu erkennen, und mit einer Körperlänge von bis zu 60 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu einem Kilogramm ist er eben der größte Brachvogel.

Wie alle Watvögel mag er feuchte Böden, um mit seinem Schnabel dort nach Würmern oder Schnecken zu stochern. Außerdem liebt er Insekten. Artenreiche Feuchtwiesen und Moore sind deshalb seine bevorzugten Brutgebiete. Aber auch trockenere Wiesen in der Nähe von Gewässern sind mögliche Brutplätze. Den Winter verbringen die Tiere meist an den europäischen und nordafrikanischen Küsten, um dann ab Februar wieder in ihre angestammten Brutreviere zurückzukehren. In milden Wintern sind sie auch hier in den Wiesen und Weiden der Rheinaue anzutreffen. Ab März brüten dann beide Partner gemeinsam drei bis vier Eier in einer kleinen, von ihnen gescharrten Mulde aus. Auch bei der Aufzucht der Jungen tun sich die Männchen als fürsorgliche Väter hervor, denn nach den ersten Tagen sind sie es, die die jungen Nestflüchter hauptsächlich führen, bis sie flügge werden.

Früher hatte der Große Brachvogel hier in der niederrheinischen Auenlandschaft ideale Lebensbedingungen in den Auenwiesen und extensiv bewirtschafteten Weiden. Seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Landwirtschaft aber immer weiter intensiviert. Das war auch deshalb möglich, weil die Wiesen langsam trockener wurden. Dafür sind vor allem sinkende Grundwasserstände, Entwässerungsmaßnahmen und der Klimawandel verantwortlich. Besonders das zu frühe Mähen der Wiesen und Weiden hat zu drastischen Rückgängen der Bestände geführt, da die Gelege dadurch meist zerstört werden. Auf Naturschutzflächen, die vom Land NRW, vom Kreis, der Stadt oder einer Naturschutzorganisation an Landwirte verpachtet werden, darf daher nicht vor dem 1. Juli gemäht werden. Auch dort, wo brütende Große Brachvögel auf konventionellen Wiesen gesichtet werden, dürfen Landwirte laut EU Gesetzgebung nicht vorher mähen. Das allerdings müssen die Landwirte, bzw. der Kreis, der das Verbot dann ausspricht, erst einmal wissen. Mit der Anlage von kleinen Tümpeln und der Vernässung von Schutzgebieten und Naturschutzflächen wird hier in der Region außerdem versucht, den Lebensraum der stark gefährdeten Vögel in der Rheinaue zu erhalten bzw. wieder zu vergrößern. Schließlich möchten wir auch in Zukunft noch die wohltönenden Rufe des Großen Brachvogels hier am Niederrhein hören.

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