Der Flussregenpfeifer

Ein Schauspieler und Tarnungskünstler

Er steht auf der Liste der gefährdeten Arten, und tatsächlich sieht man ihn so gut wie kaum. Das liegt aber nur zum Teil daran, dass er so selten ist. Der Flussregenpfeifer kommt zum Brüten aus Afrika an den Rhein, wo er an kiesigen oder sandigen Fluss- oder Kiesgrubenufern seine Eier in eine flache Nistmulde legt. Der Vogel, seine Eier und seine Jungen sind dabei so gut getarnt, dass man einen ganzen Tag daneben liegen kann, ohne die Nachbarschaft zu bemerken. Das zeigt schon das Problem.

Kies- und Sandstrände sind am Rhein selten geworden. Die, die es noch gibt, muss der Flussregenpfeifer mit Erholungssuchenden teilen, sollte ein Abschnitt einmal nicht unter Naturschutz stehen. Und auch wenn wir ihn nicht sehen, sieht der Vogel uns. Während des Brütens ist das vielleicht gar nicht so schlimm, denn dann sitzt ein Elternteil still auf den Eiern und hofft, dass die riesigen Zweibeiner ihn nicht entdecken. Sind die Küken aber geschlüpft, sieht die Sache anders aus. Kommt etwa ein Fuchs dem Nachwuchs zu nahe, schlägt die Stunde des Schauspielers. Der brütende Elternvogel mimt den bemitleidenswerten Verletzten. Mit hängendem Flügel gibt er jammervoll hüpfend die Rolle des leichten Mittagessens und lockt so den Räuber vom Gelege fort. Hat er so genug Entfernung zwischen die Bedrohung und die Küken gebracht, fliegt er auf und davon – vielleicht nicht, ohne dem düpierten Fressfeind hämische Schmähungen zuzurufen.

Mit Menschen funktioniert das leider nicht so gut. Die bemerken die oscarreife Vorstellung vielleicht noch nicht einmal und verlassen die Nestnähe nicht. Der Altvogel kann nicht zurückkehren und Gelege oder Küken kühlen zu sehr aus. Sehen Sie also einen possierlichen braun-weißen Vogel mit schwarzem Kragen Mitleid erregend vor Ihnen auf und ab humpeln, fallen Sie bitte auf ihn herein und lassen sich weglocken. Das Nest ist in der Nähe und sie stören die Brut.

Zurück