Nicht von ihrem Ziel abzubringen

Die Erdkröten

Es gibt Tiere, die haben sich so erstaunlich gut an unsere moderne Zivilisation angepasst, dass man nur staunen kann. Zum Beispiel Krähen, die ihre Nüsse an roten Ampeln von Autos knacken lassen. Und dann wieder gibt es Tiere, deren Lebensplan so eine Anpassung leider nicht zulässt. Die Erdkröte ist so ein Fall. Seit Jahrtausenden folgt sie einem immer gleichen Lebensrhythmus. Wie alle Amphibien lebt sie sowohl im Wasser als auch an Land.  Im Wasser geboren, verlässt sie es im Sommer als Jungtier und wandert mit unzähligen Artgenossen in Lebensräume, in denen sie ihre Lieblingsnahrung findet – Würmer, Schnecken, Spinnen oder Insekten. Das können lichte Laub- oder Mischwälder sein, aber auch Streuobstwiesen und andere halboffene Landschaften aus Weiden, Wiesen und Hecken, ja sogar Schrebergärten, Friedhöfe oder feuchte Keller.

Im Frühjahr, nach der Frostperiode verlassen dann die Kröten ihre Winterquartiere und machen sich nachts in großen Gruppen wieder auf den Weg zu ihrem Laichgewässer – eben dem, in dem sie selbst zur Welt kamen. Leider wird dieser uralte Lebenskreislauf in unserer heutigen Welt von etwas durchkreuzt, das die Natur nicht vorhersehen konnte: Straßen mit schnellen Autos, die zwischen den Winterquartieren und den Laichgewässern liegen, und die jedes Jahr zur Zeit der Krötenwanderungen unzählige Opfer fordern. Den Menschen im Mittelalter wäre das wohl herzlich egal gewesen. Für sie galt die Erdkröte als "hässlichstes Tier der Welt" und wurde mit dem Teufel in Verbindung gebracht. Niemals hätten sie den Aufwand nachvollziehen können, der heute für das Leben der streng geschützten Tiere betrieben wird.

Neue Straßen an Krötenwanderstrecken werden heute gleich mit Krötentunnel gebaut. Wo diese fehlen, errichten Naturschützer oft vor der Wanderung Schutzzäune aus Folie, die die Kröten von der Straße fernhalten. Auf der Suche nach einem Durchgang fallen sie dann in eingegrabene Eimer, mit denen sie am nächsten Tag sicher auf die andere Seite gebracht werden und dort ihre Wanderung fortsetzen können. Bitte achten auch Sie als Autofahrer darauf, möglichst langsam zu fahren, wenn Sie wie hier das Warnschild mit der Erdkröte am Straßenrand sehen.  Denn die Tiere werden nicht nur durch die Reifen zerquetscht, sondern sterben auch durch den Druckunterschied, der durch das Fahren entsteht – je schneller das Auto, desto größer der sogenannte Strömungsdruck. Also bitte keinesfalls schneller als 30 kmh fahren! Und wenn sie hier Tiere auf der Straße sehen, wie sie im Sommer bergauf, oder im Frühjahr bergab wandern, dann dürfen sie ihnen auch gern selbst über die Straße helfen.

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