Die Pappeln

Baumfällen  für den Naturschutz – von Schwarz- und Hybrid-Pappeln

2011 wurden am Bienener Altrhein 86 Pappeln gefällt. 2014 hat es 50 Pappeln am Grietherorter Altrhein erwischt, um hier nur 2 Beispiele zu nennen. Sicher sind dabei doch die Naturschützer auf die Barrikaden gegangen, denkt man sich? Tatsächlich war das Naturschutzzentrum ausdrücklich mit der Fällung einverstanden. Wie ist das möglich? Gehören nicht Pappeln zu den typischen Bäumen der niederrheinischen Auenlandschaft? Ja machen Pappelreihen nicht geradezu einen der Gesichtszüge des Niederrheins aus?

Doch, das tun sie. Die Schwarz-Pappel war in den natürlichen Auenwäldern immer ein typischer Baum, weil sie sich bei den wechselnden Wasserständen als wahrer Überlebenskünstler erwies. Bei den gefällten Bäumen handelte es sich jedoch um Hybridpappeln. Diese Kreuzungen mit amerikanischen Pappelarten wurden extra für die Holzproduktion gezüchtet und vor allem nach dem zweiten Weltkrieg an vielen Stellen am Niederrhein als schnell wachsender Rohstoff gepflanzt. Sie gehören ursprünglich nicht in diese Region, sondern kommen aus Amerika. Das allein wäre vielleicht nicht schlimm, jedoch unterbinden Hybrid-Pappel-Plantagen durch starke Wurzelkonkurrenz die Entwicklung artenreicher naturnaher Auenwälder. Mit dem Fällen der erntereifen Pappeln sollte also nicht Wald vernichtet, sondern im Gegenteil die Wiederansiedlung heimischer Baumarten ermöglicht werden, denn der Bienener und der Grietherorter Altrhein sind eines der ganz wenigen noch intakten Altrheinsysteme am Niederrhein, wo freie Wasserflächen, Schwimmblatt- und Röhrichtzonen sowie Weiden-Ufergebüsche und junge Auwald-bestände zusammen einen einzigartigen Biotopkomplex bilden.

Die Fällung der Hybrid-Pappeln und die anschließende Pflanzung einheimischer Bäume wie Esche, Stieleiche, Feldahorn, Vogelkirsche oder Holzbirne und eben der Schwarz-Pappel fördert somit die Wiederherstellung dieses rar gewordenen Biotops. Besonders die Pflanzung neuer Schwarz-Pappeln ist bemerkenswert, weil sie durch die Konkurrenz der Hybrid-Pappeln und das Beseitigen natürlicher Flussauen extrem selten geworden sind und bundesweit auf den roten Listen als "gefährdet" gelten. Hier stehen die Chancen gut, dass in wenigen Jahrzehnten wieder einige der ursprünglich hier heimischen Schwarz-Pappeln in den Himmel ragen.

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