Die Nickende Distel

Ein Kleinod am Wegrand – die Nickende Distel

Disteln – denkt sich vielleicht so mancher Gartenbesitzer (oder Landwirt) – braucht man ja wohl nicht extra schützen. Die wachsen doch zuverlässig bei mir an der Mauer. Und wozu sollte ich sie schützen wollen? Das piekende Unkraut?

Dieser Gartenbesitzer wäre sicher überrascht zu erfahren, dass eine bestimmte Distelart, genauer gesagt die sogenannte "Nickende Distel", von der Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen zur Blume des Jahres 2008 gekürt wurde. Damit stuft diese Stiftung die Nickende Distel sehr wohl als schützenswert ein. Nickend heißt diese Distelart übrigens, weil ihre großen, kugeligen pink-lila Blütenstände etwas herab hängen. Die Blüten werden im zweiten Lebensjahr entwickelt, danach stirbt die Pflanze ab. Schützenswert ist sie, weil sie vielen Insekten- und Vogelarten eine wichtige Lebensgrundlage bietet. Ihre auffällig großen, schwach duftenden Blüten ziehen Wildbienen, Hummeln und viele Tagfalter an. Auf ihr gedeihen Schmetterlingsraupen und Insektenlarven, und Körner fressende Vögel wie der Stieglitz, der daher seinen Beinamen "Distelfink" trägt, schätzen die ölhaltigen Früchte. Neben Wind sorgen auch die Vögel für die Verbreitung der Früchte, die mit ihrem weißen Haarkranz wie kleine Fallschirme aussehen.

Die Nickende Distel bevorzugt stickstoffreiche und kalkreiche, trockene Böden an warmen Standorten. Deshalb war sie früher ein typischer Vertreter der dörflichen Pflanzenwelt, denn dort gab es viele solcher Standorte an Wegrändern, Mauern, Abfall- oder Lagerplätzen zwischen Haus und Hof – lauter Wuchsplätze, deren Böden durch menschliche Einwirkungen geprägt, aber nicht aktiv gestaltet wurden. Auch auf Viehweiden kann sie sich gut ansiedeln, denn wo das Vieh andere Pflanzen abgrast und stellenweise den Boden verwundet, sind die Bedingungen für Disteln gut. Mit ihren derbstacheligen Blättern halten sie sich nämlich erfolgreich das Vieh vom Leib.

Am Niederrhein ist sie heute fast ausschließlich auf Viehweiden zu finden aber nur dort, wo die Grasnarbe durch Tritt lückig geworden ist und wo trocken-warmes Kleinklima herrscht, also auf Deichen und an sonnenexponierten Böschungen. Aus unseren Ortschaften ist die Nickende Distel durch die zunehmende Versiegelung von Flächen nahezu vollständig verschwunden. In Norddeutschland wird sie deshalb als bedrohte Pflanzenart eingestuft. So war die Wahl zur Pflanze des Jahres 2008 nicht nur Wertschätzung einer schönen Wildpflanze, sondern gleichzeitig auch ein Versuch, das Problem des Rückgangs dörflicher Biotope in den Fokus zu rücken.

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