Die Goldrute

Globalisierung und Migranten - auch im Naturschutz ein Dauerbrenner

Als die Europäer Amerika entdeckten, kamen Pferde, Schweine und die Pocken mit ihnen. Zurück in ihre Heimat brachten sie die Tomaten, die Kartoffeln und wohl die Syphilis. Seitdem wurden Tier- und Pflanzenarten durch den Entdeckerdrang der Europäer schneller auf dem Erdball verteilt als jemals zuvor. Nicht immer ist das zum Vorteil der Gegenden, in denen die Neuankömmlinge siedeln. Manchmal ist die Beurteilung der Auswirkungen jedoch schwierig.

Die Kanadische Goldrute ist ein solcher Kandidat. In ihrer spätsommerlichen Blühperiode ist sie nicht zu übersehen und man versteht, warum die leuchtend gelben Blüten zu ihrer heutigen Bezeichnung führten. Wenn sie Goldruten von über einem Meter Höhe entdecken, haben sie die Einwanderer aus der neuen Welt kennengelernt, denn die einheimische Goldrute ist deutlich kleiner. Die Kanadische Goldrute wurde als eine der ersten Zierpflanzen aus der neuen Welt schon im 17. Jahrhundert eingeführt, ist aber erst in den letzten Jahren zum Problem geworden. Da sie mit kargen Böden gut zurechtkommt, kann sie die dort siedelnden einheimischen Pflanzen verdrängen. Schauen sie auf die hochwachsenden und dichten Goldrutenkolonien! Daneben hat nichts anderes mehr Platz. An solchen Entwicklungen ist jedoch auch der Mensch schuld, denn in unbeeinflussten und stabilen Lebensgemeinschaften hat es die Goldrute viel schwerer, zur beherrschenden Art zu werden.

Daneben kann sie durchaus auch positive Auswirkungen haben. Im Spätsommer sind ihre reichen Blütenstände eine ergiebige Bienenweide. Das ist durchaus nicht selbstverständlich, denn andere Einwanderer wie die Forsythie werden von Insekten gemieden. Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig die Arbeit der Biologen ist. Ihre Aufgabe ist genaue Erfassung und Erforschung der heimischen Lebensgemeinschaften. So können sie rechtzeitig feststellen, wenn deren Gleichgewicht durch Einwanderer wie die Goldrute ins Wanken gerät. Die Entwicklung geeigneter und wohldosierter Maßnahmen kann dann dazu beitragen, den Lebensraum der heimischen Pflanzen zu sichern.

Zurück