Feldmannstreu

Der Feldmannstreu, stachelig, wertvoll und sensibel

Auf den kurzgefressenen Weiden traut sich niemand an ihn heran. Der Feldmannstreu weiß sich zu wehren. Seine Stacheln können gemein pieken, und so ist er die einzige hochwachsende Pflanze auf Flächen, die ansonsten von Kühen kurzgefressen werden. Schauen Sie einmal über die Weideflächen  – Sie werden ihn bestimmt entdecken! Selbst die behende Kuhzunge lässt dieses wehrhafte Kraut besser in Ruhe. Ein bisschen ist der Feldmannstreu damit wie ein Gangsterboss - Konkurrenten lässt er erledigen und die Gang fürs Grobe ist das Weidevieh.

Aber ohne die Verbündeten aus dem Tierreich wäre er chancenlos. Er braucht viel Sonne und ohne Beweidung würden andere Wiesenpflanzen zu hoch werden. Der Feldmannstreu könnte seinen Energiehunger nicht mehr stillen und würde in kurzer Zeit verschwinden. Das wäre ein schwerer Verlust, denn der Feldmannstreu gehört zu den wenigen Pflanzen, die im Spätsommer von Juli bis August ergiebig blühen. Blühen kostet Kraft und Kraft benötigt Wasser. Im Sommer wird das langsam knapp und so beeilen sich die meisten Blütenpflanzen, die aufwendige Nektar- und Blütenproduktion im Frühjahr abzuschließen. Die tief reichenden Wurzeln des Feldmanntreus erreichen noch Wasservorräte, wenn andere schon längst aufgeben müssen. Er muss also auch nicht mit einer Vielzahl von Blütenpflanzen um seine Bestäuber konkurrieren. Irgendwie erscheint er in dieser Hinsicht sogar solidarisch mit anderen Spätblühern. Unter seinem Schirm aus stacheligen Trieben findet manch andere Pflanze Schutz, deren Blüte andernorts vom Vieh abgefressen würde. So bilden sich um den Feldmannstreu Pflanzengemeinschaften, von deren Nektar blütenabhängige Insekten in der mageren Spätsommerzeit profitieren. Im Herbst trocknet der Feldmannstreu aus. Die Pflanze knickt ab und rollt vor dem Wind her, wobei ihre Samen in der Gegend verteilt werden. Wenn Sie einmal bei der herbstlichen Gartenarbeit in einen angewehten Trieb des Feldmannstreus gefasst haben, wissen Sie, warum er auf der Weide in Ruhe gelassen wird!

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