Was ist eine Wooj?

Wenn wir an einem schönen Tag die Auenlandschaft des Niederrheins anschauen, macht sie einen trügerisch ruhigen Eindruck. In Wirklichkeit waren die weiten, ebenen Flächen mit ihren Weiden, Kopfbäumen und verstreuten Gewässern bis vor 150 Jahren der Gewalt des Rheinstroms ausgesetzt. Und der fließt nicht immer nur ruhig dahin, wie Heine es in seiner Loreley besingt. Hochwasser konnten mit verheerender Gewalt innerhalb von Stunden einen ganzen Landstrich verändern, so dass man ihn hinterher kaum wiedererkannte. Manche Veränderungen waren so unerklärlich, dass sie bis heute von gruseligen Geschichten umrankt werden. Besonders die Woojen waren nicht geheuer. Sie konnten als große Tümpel nach Hochwassern zurückbleiben.

Von einer Wooj behauptet die Sage, dass in ihr eine ganze Kirche versunken sei. Die Bewohner der Gegend waren übermütig geworden, und Gott versenkte die Kirche mit den Frevlern in dem unheimlichen Gewässer. Warf man eine Münze hinein, konnte man die Glocken noch schlagen hören. Tatsächlich ist eine Wooj ein sogenannter Kolk. Diese entstehen bei einem Deichbruch. Das schnell durch die Lücke strudelnde Wasser tieft dann hinter dem Bruch eine Mulde aus - den Kolk. Zieht sich das Hochwasser zurück, bleibt ein neuer Teich, wo vorher noch nicht einmal eine Mulde gewesen sein muss. Vielmehr konnte der Teich durchaus an einer Stelle sein, wo in der vorigen Woche noch ein schöner Hof, ein Stall oder eben eine Kirche gestanden hatte.

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