Die Kalflack

Früher belebte Wasserstraße, heute Biotop

Das stille Gewässer hier soll einmal sowas wie eine Autobahn gewesen sein? Man hört ja noch nicht einmal Wasser murmeln!
Aber trotz der Stille erzählt die Kalflack Geschichten. Bevor es Lastwagen oder Dampfmaschinen gab, war der Warentransport über Land eine schwierige Sache. Ochsenkarren konnten eine Tonne Last tragen und waren beeindruckende zwei bis drei Kilometer in der Stunde schnell. Große Mengen oder schwere Güter konnten nur auf dem Wasserweg transportiert werden. Wasserläufe waren - Autobahnen für Schiffe.

Die Kalflack hier verband die Stadt Kalkar mit dem Rhein. In gewissem Sinn war sie also eine Art Zubringer. Davon profitierte Kalkar, denn mit dem Woll- und Bierhandel wurde es wohlhabend. Auf dem Landweg wäre dieser Handel kaum profitabel gewesen. Das sind aber nicht die einzigen Geschichten der Kalflack. Eigentlich war sie sogar einmal der Rhein selbst. Vor der großen Zeit der Rheinregulierung im 19. Jahrhundert verlagerte der nämlich ständig seinen Lauf. Auf einer Karte sieht man, wie die Kalflack in weiten Bögen vom heutigen Rhein nach Kalkar führt. Die Bögen entsprechen in ihrem Radius genau den Schlingen, die der Rhein bis zu seiner Begradigung warf. Hat man seinen Blick geschärft, fallen diese Bögen hier und da noch in der Niederrheinlandschaft auf, häufig in Verbindung mit Altrheinarmen.

Der Rhein entschied über Wohl und Wehe eines Ortes. Im schlimmsten Fall gingen ganze Ortschaften in seinen Fluten unter, im besten Fall sorgten Wasserstraße wie die Kalflack einst für Wohlstand. Mit der modernen Technik kehrte aber wieder Ruhe ein - die alten Transportwege wurden nicht mehr benötigt. Diese Ruhe und die damit verbundene Ungestörtheit war die Voraussetzung für die heutige Bedeutung der Kalflack. Mit See- und Teichrosen, einer Unmenge von Wasserpflanzen und einer Vielzahl von seltenen Wasserbewohnern ist die Kalflack inzwischen wertvolles Biotop, so wertvoll, dass sie Teil des Europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000 ist und von der EU den Status FFH- Gebiet erhalten hat. Das steht für Fauna, Flora, Habitat – lateinisch für Tierwelt, Pflanzenwelt und Lebensraum und macht die überregionale Bedeutung dieses unscheinbar anmutenden Wasserlaufes deutlich.

Zurück