Vom Adelsschloss zum Amphibienparadies

Schloss Hueth

Umgeben von einem Wassergraben, einer Gräfte, steht seit dem 14. Jahrhundert Schloss Hueth. Als Teil des politischen Flickenteppichs dieser Gegend gehörte es zu Kurköln. Mit Vor- und Hauptburg muss es eine wehrhafte Anlage gewesen sein, denn 1598 gelang es spanischen Truppen lediglich, die Vorburg zu plündern. Die Hauptburg hielt ihnen stand. Leider blieb die Militärtechnologie aber nicht stehen. Der zweite Weltkrieg ließ von der schönen Anlage kaum etwas übrig. Heute steht nur noch im hinteren Bereich der Anlage der Eckturm des Schlosses. Die linke Vorburg wurde als neue Wohnung des heutigen Besitzers Friedrich Freiherr von Wittenhorst-Sonsfeld instandgesetzt und ausgebaut, während die stärker zerstörte rechte Vorburg noch eine Ruine ist.

Der Wassergraben hat sich als wesentlich widerstandsfähiger erwiesen als die Architektur. Er umschließt immer noch unbeeindruckt das Burggelände. Sein ruhiges und sauberes Wasser bietet vielen Amphibienarten einen idealen Lebensraum. Teich- und Kammmolche sind ziemlich heimliche Vertreter, die man kaum einmal zu Gesicht bekommen dürfte, da sie einen Großteil ihres Leben im Wasser zubringen. Erdkröten begeben sich zwar lediglich zur Paarung und zum Laichen ins Wasser, sind aber auch an Land sehr gut getarnt. Hier hat man vielleicht am ehesten zur Zeit der Krötenwanderung Glück, wenn sich die Weibchen mit ihren Gatten im Gepäck auf zum Laichgewässer machen. Auch der Grasfrosch lebt eher an Land, ist aber für Paarung, Laich und Kaulquappen wie seine Amphibienkollegen auf stille Gewässer angewiesen. Ende März können wir seine knurrenden Paarungsrufe hören. Es ist vielleicht ganz passend, dass der Burggraben solche Bewohner gefunden hat - wahrscheinlich hat es sie ja schon immer hier gegeben. Wassergräben waren nämlich zu einem guten Teil psychologische Kriegsführung. Die Wasserspiegelung ließ die Festungswerke größer erscheinen. Zudem fürchteten sich die Menschen des Mittelalters und der frühen Neuzeit enorm vor Amphibien. Molche, Kröten, Frösche und Salamander wurden mit dem Tod und dem Teufel in Verbindung gebracht. Die heutige Lebensgemeinschaft im Wassergraben hätte die Bereitschaft eines Kriegsknechtes, die Gräfte zu durchwaten, wohl enorm gemindert.

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