Tongruben und Ziegeleien

Ziegel? Wie aufregend!

Man soll es nicht meinen, aber die Römer haben ihr Weltreich auf Ziegeln aufgebaut. Ohne Ziegeleien wäre der römische Erfolg nicht denkbar gewesen. Nachdem die Römer aus unserer Region weg waren und ihre wieder Tricks mitgenommen hatten, brauchten wir Germanen etwa 650 Jahre, um den Kniff mit den Ziegeln herauszubekommen. Erst im 12. Jahrhundert tasteten wir uns wieder langsam an die Ziegelbrennerei heran. Für diese Gegend waren Ziegel ein Segen – da brauchen wir uns nur die Kirchen, Burgen oder Stadtmauern anzuschauen, denn Steine gibt es hier kaum, und wenn man mit ihnen bauen will, ist der Transport sehr teuer.

Glücklicherweise haben die verschiedenen Eiszeiten und der Rhein für Ersatz gesorgt. Ton, aus dem Ziegel hergestellt werden, wurde hier reichlich abgelagert. Auf der Basis dieses heimischen Rohstoffs entstanden Tongruben und Ziegeleien, von denen heute allerdings nur noch wenige in Betrieb sind. Tonziegel sind inzwischen anderen Baumaterialien gewichen, und es werden eher Fliesen als Boden- oder Wandbelag hergestellt. Deshalb wird das Naturprodukt nicht mehr so stark nachgefragt wie zu den Zeiten, als man noch so ziemlich alles damit baute. Die alten Gruben holt sich die Natur zurück – läßt man sie in Ruhe, laufen sie voll und werden zu stillen Teichen. Dieses Beispiel zeigt, wie überraschend tief eine Landschaft in ihrer uralten Entstehungsgeschichte verwurzelt ist. Nicht nur Natur- und Kulturräume hängen vom Boden, den Landschaftsformen und vom Wasser ab – selbst die Zeugnisse unserer Zivilisation werden davon geprägt und verleihen umgekehrt einer Gegend ihren ganz besonderen Charakter. Damit hören die Wechselwirkungen aber nicht auf. Die stillgelegten Tongruben der verschwundenen Ziegeleien gibt es manchmal noch. Sie sind zu Teichen geworden und bieten in diesem Fall wieder heimischen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum, der zu unserem Niederrhein gehört wie die Ziegel.

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