Schmuggel in Elten

Die Butternacht – auch mit Schweinen!

Hier stehen wir auf der höchsten Erhebung Stadt Emmerich am Rhein. Zwischen 1949 und 1963 war der Eltenberg sogar der höchste Berg der Niederlande, denn in dieser Zeit gehörte er zusammen mit Elten dorthin. Aufgrund seiner Höhe hat man hier einen wunderbaren Überblick über das, was damals Ausland war. Die Wild am Fuß des Eltenberges war der Grenzfluss zwischen den Niederlanden und der Bundesrepublik – hier hätten wir in den Niederlanden gestanden.

Wo eine Grenze ist, ist aber auch Schmuggel. Der war hier rege. In den 14 niederländischen Jahren wurde alles, was in Deutschland teuer war, heimlich über die Grenze geschafft. Hätte man in einer Neumondnacht jedem Schmuggler ein rotes Lichtlein auf den Kopf gesetzt, wäre hier am Grenzverlauf ein ziemliches Gewimmel zu beobachten gewesen. Jeder Rucksack war voll mit Kaffee, Tee, Kakao, Konserven oder Fahrradersatzteilen. Besonders Butter versprach hohe Gewinnspannen. Zöllner bedrohten diesen schwunghaften Grenzverkehr wohl nicht allzusehr. Die Einheimischen kannten sich einfach besser aus und waren mit allen Wassern gewaschen. Ein beliebter Trick waren Klompen – Holzschuhe mit rückwärts gerichteter Sohle. Diese Spuren dürften die armen Zöllner ziemlich verwirrt haben. Der Höhepunkt des Schmuggels war gleichzeitig sein Tusch und Zapfenstreich. Mit dem Monatswechsel zwischen Juli und August 1963 ging Elten zurück an die Bundesrepublick. Der ganze Ort war am Abend des 31. 7.1963 voll mit Butter – es wird hinter vorgehaltener Hand von 600 Lastwagenladungen und kaputt gefahrenen Straßen geraunt. In den Ställen warteten unzählige niederländische Schweine auf Mitternacht, denn dann machte die sich verschiebende Grenze legale niederländisch Butter und niederländische Schweine zu legaler bundesdeutscher Butter und echten deutschen Schweinen! So wurde schon fast die EU vorweggenommen, wenngleich die Zöllner das wohl in einem anderen Licht gesehen haben.

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