Der Ringdeich

Rundum behütet - der Wisseler Ringdeich

Der ganze alte Siedlungskern Wissels wird von diesem Deich umschlossen, der deshalb den selbsterklärenden Namen Ringdeich trägt. Er geht auf den ersten Stützpunkt zurück, den die Herren von Wissel im 11. Jahrhundert für die Grafen von Kleve hier anlegten. Die Wissel waren Dienstleute der Grafen - Ritter - und wurden mit der Aufgabe betraut, die Herrschaft der Grafen auch in der bis dahin fast unbewohnten Rheinaue zur Geltung zu bringen. Vielleicht waren erste Massnahmen einzelner Bauern, die Auen wirtschaftlich zu nutzen, zu dieser Zeit erfolgreich gewesen. Das hätte sich der mächtige Graf nicht entgehen lassen. Sei es wie es sei, seine Ritter errichteten hier auf einer Insel ein festes Haus - der Ursprung von Haus Wissel. Ein ritterliches Haus war eher ein sehr großer Bauernhof oder ein kleines Dorf. Neben dem Wohnsitz gab es Wirtschaftsgebäude, Stallungen, Speicher und Häuser für die vielen abhängigen Arbeitskräfte. Diese Siedlung musste gegen die Launen des Flusses geschützt werden und zu diesem Zweck umgab man sie mit dem Ringdeich, der heute noch zu sehen ist.

Laufen Sie doch einmal ganz herum, dann bekommen Sie einen guten Eindruck von der Größe solcher Ritterhöfe. Mit der Zeit bildete sich aus dieser Keimzelle der Ort Wissel, der mit seinem Ringdeich immer noch die Erinnerung an seinen Ursprung trägt. Tatsächlich war der Deich noch bis 2012 Teil der Deichgrafschaft und damit des Hochwasserschutzes, wie die Barriereeinschübe an den Straßendurchführungen zeigen. Allerdings hatte er seine ursprüngliche Bedeutung schon lange verloren. Er war ja mit einem ganz anderen Konzept von Hochwasserschutz errichtet worden, denn der Ringdeich sicherte gezielt nur das, was zur Zeit seiner Errichtung schützenswert war. Die Aue blieb unangetastet. Heute gehen wir einen anderen Weg und versuchen, Hochwässer schon möglichst am Rheinufer abzufangen. So bewahrt der Ringdeich auch die Erinnerung an alternative Möglichkeiten, mit der Bedrohung durch Rheinhochwässer umzugehen.

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