Die Rheinverlagerung

Rheinverlagerung am Ende?

Wenn wir einen Ausflug an den Rhein planen, gibt es eigentlich nicht viel vorzubereiten. Die Orientierung ist einfach, vielleicht nehmen wir eine Karte mit, um uns nicht zu verlaufen. Aber wir haben ja den Rhein als verläßliche Orientierungsmarke. Diese Verläßlichkeit ist aber eine ziemlich neue Eigenschaft des Flusses. Jahrtausendelang verbreiterte der Rhein sein Herrschaftsgebiet stetig – einem langsamen aber unaufhaltsamen Eroberer gleich. Bald durchströmte ein Seitenarm hier die Aue, nur um sich dann wieder zurückzuziehen und woanders einen neuen Weg zu bahnen. Von Niederterrasse zu Niederterrasse – so weit man schauen konnte – reichten der Rhein und sein Stromgeflecht. Stetige Abtragung hier und Ablagerung dort hatte einen permanenten Umbau des Landschaftsbildes zur Folge. Doch diese Zeit ist vergangen, denn schon im ausgehenden Mittelalter wehrten sich die Menschen gegen den Strom. Seit dem 19. Jahrhundert scheinen wir die Oberhand zu gewinnen, denn dem Rhein wurde sein fester Platz zugewiesen. Heute fließt der Rhein in seinem Bett, begradigt, vertieft und befestigt, wie er es auch gestern tat. Hier: auf der Karte sehen wir es! Morgen wird er es auch tun. Ziemlich sicher wird er es sogar noch in 5 Jahren tun, die Karte können wir also vorerst behalten. Der Rhein ist bezwungen, macht uns der Umstand glauben. Doch das ist er nicht, weder bezwungen noch gezähmt: zu Zeiten des Hochwassers kann der Rhein immer noch die Barrieren durchbrechen, Auen und Wälder überfluten und sich für kurze Zeit zurückholen, was einst das seine war.

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