Landwehr - Wasserlauf und Grenze

Wasser in der Landwehr

Ein gängiger Name für Wasserläufe in dieser Gegend ist Landwehr. Von diesen Landwehren gibt es einige – nicht nur hier. Ihr Zweck war immer gleich: sie steckten in alten Zeiten Grenzen zwischen Herrschaftsgebieten ab. Damit ist dieses verhältnismäßig schmale Fließgewässer hier sogar ein wenig politisch. Grenzen wurden gerne entlang natürlicher Trennlinien gezogen, weil ja niemand so leicht hinüber gelangen sollte. Eine Bergkette war toll oder auch ein breiter Fluss wie der Rhein. Altrheine wie das Millinger Meer und der Bienener Altrhein gingen auch. Irgendwann endete aber ein Hindernis und dann musste man sich etwas einfallen lassen. In bester Landwehrtradition konnte ein Graben zwischen natürlichen Sperren ausgehoben werden. Das sind am Niederrhein sehr häufig Gewässer und extrem selten Berge. Unterzieht man sich der ungeheuren Arbeit, hier einen solchen Grenzgraben auszuheben, hat man sofort ein Erfolgserlebnis – er läuft voll und wird ziemlich unpassierbar. Hat man zwei Gewässer zur Grenze verbunden, gibt es von da an auch eine Fließverbindung. Die Landwehren erfüllten also seit dem Mittelalter einen doppelten Zweck, indem sie auch die häufig überflutete und insgesamt die feuchte Auenlandschaft des Niederrheins entwässerten. Durch sie konnte das Wasser schneller ablaufen, was die Nutzungsdauer der Böden erhöhte. Die Grenzen machten das Land wahrscheinlich sogar ein wenig wertvoller. Die Landwehr vor uns entwässert die flache Ebene zwischen Rees und Emmerich. Inzwischen spielen die politische Zwecke der Landwehren keine Rolle mehr. Dafür trat neben die Funktion der Wasserregulierung in den Auen ihr Stellenwert für die biologische Vielfalt dieser sehr besonderen Landschaft mehr in den Blickpunkt. Sie öffnen die Auenlandschaft für Wasserbewohner, verbinden den Rheinstrom mit seinen alten Betten und vernetzen die Auengewässer untereinander. Damit wird ein charakteristischer Lebensraum durch bis ins Mittelalter zurück reichende Grenzwerke erhalten.

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