Landwehr - Geschichte einer Grenze

Hüben und drüben an der Landwehr

Der markante doppelte Graben hier ist die Landwehr. Oder genauer: Zwei Landwehren. Von Deutschland nach Holland geblickt, fließt zunächst die Tote und dahinter die Millinger Landwehr. Der parallele Verlauf läßt schon ahnen, dass es sich hier um ein künstliches Gebilde handelt. Tatsächlich haben wir es mit einer alten Grenzziehung zu tun - der Name Landwehr weist noch darauf hin. Ungefähr hier verlief schon in der Römerzeit die Grenze zwischen der lateinischen Zivilisation und den Germanen. Grenzverlauf war der Rhein. Er war markant und auch ein gutes Hindernis. In unserer Gegend war er aber über die Jahrhunderte ein unsteter Geselle, der ständig seinen Lauf änderte. Im Mittelalter begann man deshalb, entlang der Grenzverläufe Gräben auszuheben. Je tiefer und aufwändiger die Gräben, desto wichtiger war wohl die Grenze. Hier befinden wir uns an der ehemaligen Trennlinie zwischen dem Herzogtum Kleve und Gelderland, die noch heute die deutsch-holländische Grenze bildet. Erwähnt wurden die Landwehren schon im 14. Jahrhundert, wenn wir auch nicht ganz genau wissen, wie sie ausgesehen haben. Gräben waren es aber auf jeden Fall.

Stellen Sie sich den Arbeitsaufwand in dieser Zeit vor! Kaum ein Werkzeug außer Holzschaufeln und Holzschuhe an den Füßen! Aber es lohnte es sich doppelt. Man markierte nicht nur eine Grenze, sondern die Gräben liefen in unserer feuchten Gegend voll. Das machte ihre Überquerung schwieriger und die Grenze tauglicher. Gleichzeitig sorgte die Grenzanlage so für eine schnellere Entwässerung, was wieder der Landwirtschaft zu Gute kam. Mehr Landwirtschaft bedeutete im Mittelalter mehr Geld und mehr Geld erforderte auch bessere Grenzen. Alles hängt hier also irgendwie zusammen. Das macht die Landwehren zu einer vielschichtigen Erscheinung: sie sind nicht nur die älteste Grenzziehung in Nordrhein-Westfalen und ein ausgewiesenes Bodendenkmal. Daneben sorgen sie immer noch für die Wasserregulierung in unseren Auen.

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