Inseln auf Zeit

Inseln auf Zeit - die Warften

Wenn der Rhein bei starkem Hochwasser über seine Ufer tritt und die umliegenden Ebenen in seinen Besitz nimmt, bietet sich uns ein ungewohntes Bild. Wo zuvor grüne Auen waren, ist nun eine Wasserfläche. Aus ihr heraus ragen einzelne Bäume, Baumgruppen und teils ganze Höfe. Wie kleine Inseln stehen sie vom Wasser eingekesselt auf ihren künstlich errichteten Erdhügeln. Doch das Bild der Ruhe täuscht. Hier auf dem Hof herrscht reges Treiben! Begrenzt auf die kleine Fläche der Insel - Warft genannt - läuft der Betrieb normal weiter, denn das Vieh will gemolken und die Milch ausgeliefert werden. Das ist allerdings nicht mehr so einfach, denn es kommt nur noch das Boot in Frage. Als einziges Transportmittel zum Festland ist es auf der Warft unentbehrlich. Zwischen Grieterort und Grieterbusch übernimmt das THW bei Hochwasser den Transport der Milch. Dann betreiben sie auf der riesigen Wasserfläche regelrechtes „Warftenhopping“! Schulkinder und andere Bewohner, die dringend auf's „Festland“ müssen, werden mit dem Boot Bienchen 2 von der Feuerwehr übergesetzt. Was für Manchen eine schaurig-romantische Vorstellung, ist für die Bewohner z.B. von Grieterort eine notwendige Anpassung an die Launen des Flusses - denn alles Land zwischen Banndeich und Rheinstrom ist Überflutungsgebiet! Die aufgeschütteten Warften sind also keine Überbleibsel, sondern immer noch Notwendigkeit. Denn obwohl der Rhein begradigt und befestigt worden ist, und der Banndeich verheerende Überschwemmungen des Hinterlandes verhindert, gehört die Überflutung des Deichvorlandes immer noch zum Leben der Niederrheiner. Wie gut, in diesem Fall auf einer Warft zu leben!

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