Grieth

Grieth, der Rhein und eine Insel, die es nicht mehr gibt.

Der Rhein kann es keinem recht machen. Die Deiche in der Niederrhein-landschaft zeigen, dass man ihn gerne auf Distanz hat. Wer will schon den Fluss zu Besuch im Wohnzimmer haben? Manchmal ist es aber genau andersherum. Dann werden große Anstrengungen unternommen, um Vater Rhein in der unmittelbaren Nachbarschaft zu halten. Grieth ist so ein Fall. Im 13. Jahrhundert musste man als Landesherr einfach Städte gründen, sonst geriet man gegenüber seinen Kollegen machtpolitisch ins Hintertreffen. Die Grafen von Kleve verliehen Grieth deshalb 1254 die Stadtrechte. Wirtschaftlich setzte man auf den Rhein. Die Grafen konnten Zoll erheben. Die Stadtbewohner nutzten die vielen Möglichkeiten, mit und auf dem Fluss ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Aber der Rhein ist ein launischer und gefährlicher Geselle, was die Hochwassermarken am Deichtor zeigen. Abgesehen von Hochwässern suchte er schon mal gerne ein neues Bett. Das war für Grieth besonders ärgerlich, weil man ja ökonomisch auf seine unmittelbare Nachbarschaft angewiesen war. Deshalb scheute man keine Kosten und Mühen, als der Hauptstrom drohte, sich von der Stadt weg zu verlagern. Mit den Arbeiten am Griether Durchstich begann man im Jahr 1812, das Flussbett an der Stadt zu halten.

Noch heute folgt der Rhein dem damals definierten Verlauf, wenn auch Grieth nicht mehr so sehr vom Fluss profitiert wie in früheren Zeiten. Die Hochwassergefahr verhinderte lange Zeit die Erweiterung der Stadt über den mittelalterlichen Kern hinaus. An der Kirche St. Peter und Paul, Haus Grieth und der schon holländisch anmutenden Bebauung des charmanten Ortes kann man immer noch die einstige Bedeutung ablesen. Ein kleines Abenteuer bringt uns hinüber nach Grietherort. Eine kleine Fähre verbindet die Ufer und schlängelt sich dabei zwischen den Schiffsriesen auf dem Rhein hindurch. Der Name Grietherort erzählt noch von den wilden Zeiten des Rheins - Orth bedeutet nichts anderes als Insel. Die ist jedoch schon lange der Rheinverlagerung und -begradigung zum Opfer gefallen und gehört als Festland nun zum anderen Ufer.

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