Deutsches Eck in Kalkar

Kalkar - Koblenz oder doch eher Amsterdam?

Die Stelle, an der wir hier stehen, wurde scherzhaft einmal das Deutsche Eck genannt. Sie erinnert mit dem Zusammenfluss von Stadtgraben und Ley auch ein wenig an die berühmte Moselmündung bei Koblenz. Wasser spielte in der Geschichte Kalkars eine wichtige Rolle. Als bedeutender und wohlhabender Wollhandelsort war es im Mittelalter abhängig vom günstigen Transport auf dem Rhein. Wie viel Wolle transportiert wurde, kann man erahnen, wenn man zum mächtigen Rathaus aus dem 15 Jh. herübersieht, das die Stadtmitte überragt. So großer Reichtum ist ohne Transportverbindung zum Rhein kaum denkbar. Und obwohl der Rhein bei Hochwasser durchaus sein altes Bett bis an die Mauern Kalkars füllen kann, liegt er doch normalerweise in einiger Entfernung. Glücklicherweise gibt es mit der Kalflack eine Wasserverbindung zum Fluss. Sie wurde im 16. Jahrhundert bis zu diesem Zusammenfluss schiffbar gemacht. Wer wollte schon zentnerschwere Tuch- und Wollballen kilometerweit tragen? Wer wollte das bezahlen? Hier von der heutigen Brücke über die Ley können wir eine Erweiterung im Lauf des Flüsschens sehen. Dort mündete einst die Monne. Diese Gracht lief bis ins 19. Jahrhundert hinter dem Rathaus längs durch die Stadt. Kalkar nahm sich also eher ein Beispiel an Amsterdam als an Koblenz. Denn mit diesem innerstädtischen Wasserweg konnte man wie in der holländischen Handelsmetropole Waren bis an die Haustür rudern. Hier an der heutigen Brücke über die Ley befand sich damals Kalkars Hafen. Hier wurde die Fracht von den stadteigenen Kähnen auf die Flussschiffe umgeladen und von hier hatte Kalkar Zugang zum damaligen Weltmarkt. Spuren davon können wir noch heute erkennen - haben sie sich einmal gefragt, warum Kalkars Grabenstrasse, in deren Verlängerung wir von hier zum Rathaus schauen, so übermäßig breit ist? Weil der Graben der Monne einst ihre Mitte bildete!

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