Das niederrheinische Gold

Der Kiesabbau - ein lukratives Geschäft

Es ist ein Bild wie aus Amerika: Jemand sitzt am Fluss und wäscht mit einer Pfanne Gold. Immer wieder spült er den Sand in der Waschpfanne mit dem Rheinwasser fort, bis sich dünner, glänzender Flitter auf dem Boden der Pfanne absetzt. Ob Sie es nun zufällig selbst sehen oder nicht – das passiert am Rhein wirklich! Mit Geduld und Geschick findet man an seinen Ufern auf diese Weise Gold. Allerdings so wenig, dass es nur als anstrengendes und nasses Hobby betrieben werden kann. Wirtschaftlich lassen sich die winzigen Goldmengen nicht ausbeuten.

Den eigentlichen Schatz des Niederrheins hat der Goldsucher aber bereits achtlos fortgewaschen. Ein Rohstoff, so wertvoll und begehrt, dass sich in kurzer Zeit eine bedeutende Industrie entlang des Flusses gebildet hat. Das "niederrheinische Gold" - diese Bezeichnung macht den Wert der regionalen Sand- und Kiesvorkommen deutlich, denn diese Bodenschätze sind überall begehrt und werden immer gebraucht. Hier sitzt längst nicht mehr wie vor 150 Jahren der kleine Mann am Ufer und schaufelt Sand durch sein Sieb, hier wird der Abbau in großem Stil betrieben: riesige Bagger und große Förderbänder, die das Material vom Baggersee direkt auf das nächste Transportschiff verladen und dabei sogar Straßen überbrücken. Eiszeitliche Gletscher schoben die ungeheuren Materialmengen an den Niederrhein, und auch der Rhein hat über unzählige Jahrtausende Steine aus den Alpen mitgeführt. Nun ermöglicht er sogar, dass wir überhaupt die riesigen Mengen abtransportieren können, die wir benötigen.

Diese Rohstoffförderung entlang des Rheins wird stetig ausgeweitet und verändert den Charakter der Landschaft. Während natürliche Seitenarme des Flusses als Folge seiner Begradigung verschwinden, entstehen an anderer Stelle immer neue Baggerseen. Landshaftsausbeutung und -nutzung ist ein vieldiskutiertes Thema zwischen unterschiedlichen Interessengruppen. Naturschützer haben andere Vorstellungen als Kiesunternehmer, Angler, Landwirte oder Erholungsuchende. Einen tragfähigen Ausgleich zwischen den verschiedenen Positionen zu finden, ist eine der großen Herausforderungen, die der Kiesabbau an uns stellt.

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