Brückenschläge

Die Rheinüberquerung in Rees

Wir merken es heute nicht mehr so sehr, aber wenn der Rhein "Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze" sein sollte, war das ein frommer Wunsch des 19. Jahrhunderts. Ein so großer Fluss trennt, und seine Überquerung ist mit Gefahren verbunden. Das ändert sich erst mit einer Brücke. Die erste wurde von Cäsar im Jahr 55 v. Chr. über den Rhein geschlagen. Seine Legionäre brauchten nur zehn Tage dafür. Die Brücke diente hauptsächlich dazu, vor den Germanen mächtig anzugeben, weshalb sie der Feldherr nach etwa zwei Wochen wieder abreißen ließ. Die Reeser Rheinbrücke wurde nicht ganz so schnell fertig, steht aber inzwischen länger. Seit 1967 verbindet sie Kalkar und Rees, was das Leben am Niederrhein nachhaltig verändert hat. Rheinüberquerungen waren vor den Brückenprojekten von Emmerich und Rees in dieser Gegend nur mit Fähren möglich. Das "Pöntje" in Rees erinnert noch daran, transportiert heute aber nur noch Fußgänger und Fahrradfahrer. Für Pedalritter vielleicht eine verlockende Möglichkeit, mit der Fähre den Rhein wie gestern queren und über die Brücke im Heute zurück. Oder umgekehrt. Mit den modernen Brückenschlägen hatte der Rhein seine trennende Wirkung verloren - vielleicht war das der letzte Überrest des alten, ungezähmten Stromes, denn letztlich wird der Bau einer Brücke erst mit der Befestigung des Flusslaufes möglich und sinnvoll. Was sollte eine Brücke denn, wenn ihr Strom alle paar Jahre das Bett wechselt? So ist die Brücke, die Rees und Kalkar um so vieles näher zusammenbrachte, das vorläufig letzte Glied in einer Reihe von tiefgreifenden Landschaftsveränderungen. Nach so vielen Jahren unauffälligen Dienstes haben wir fast vergessen, welche Erleichterung sie für unser Leben hier am Strom bedeutet, der eben nicht mehr trennt.

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